Tagundnachtgleiche – Äquinoktium

Eines hat mich an der modernen Astrologie sehr erstaunt: Bisher ist mir kein Astrologe begegnet, der etwas zur Tagundnachtgleiche zu sagen weiß. Obwohl dies offensichtlich für die meisten Hochkulturen der Menschheitsgeschichte sehr bedeutende Tage gewesen sein mussten. Ihre Bauwerke – oder das, was davon heute noch übrig ist – lassen keinen Zweifel daran.

Wahrscheinlich hängt es damit zusammen, dass früher Astronomie und Astrologie zusammen gehörten. Ein Astrologe ohne astronomische Kenntnisse war undenkbar. In der traditionellen Astrologie gehörte das Wissen um die Bahnen und dem Wesen der Gestirne zur Grundvoraussetzung, um überhaupt deuten lernen zu können.

Heute meinen viele, die Tagundnachtgleichen zu kennen, wäre für die Landwirtschaft von großer Bedeutung gewesen, weil die Menschen so wussten, wann die Zeit der Saat und der Ernte ist. Doch fragt man tatsächlich einen Landwirt, dann wird man erfahren, dass dieser nach völlig anderen Kriterien entscheidet, was wann zu tun ist. Selbst heute noch, trotz voranschreitender Industrialisierung der Landwirtschaft.

Und wenn man sich die Bauwerke früherer Kulturen anschaut, dann waren es auch nicht die Landwirte, welche die Bauwerke errichteten, planten oder benutzten, mit denen sich die Tagundnachtgleichen messen lassen.

Was ist also so besonders an diesen Tagen?

Nun, die Erde dreht sich einmal in ungefähr 24 Stunden um sich selbst. Auf diese Weise trifft das Sonnenlicht jede Seite der Erde und der Wechsel zwischen Tag und Nacht entsteht. Außerdem umkreist die Erde ungefähr alle 12 Monate einmal die Sonne. Da die Achse, um die sich die Erde im Tagnachtrhythmus um sich selbst dreht, jedoch nicht im rechten Winkel zur Sonne steht, sondern leicht gekippt ist, verändert sich das Verhältnis von Tag und Nacht im Laufe des Jahres. Wenn die Tage nördlich des Äquators länger werden, werden sie zeitgleich südlich des Äquators kürzer, und umgekehrt. So sind immer gleichzeitig Sommer und Winter auf der Erde, je nachdem ob man sich auf der nördlichen Halbkugel befindet oder auf der südlichen.

Nur an zwei Tagen im Jahr sind überall auf der Welt Tag und Nacht gleich lang. Während der Frühlings- und der Herbst-Tagundnachtgleiche. Für 24 Stunden ist jeder Ort auf der Erde im exakt gleichen Verhältnis dem Licht und der Dunkelheit ausgesetzt.
Mit anderen Worten: Die Erde befindet sich für einen Moment im vollkommenen Gleichgewicht.

Warum ist das von Bedeutung?

Nun, rein physikalisch betrachtet, besteht alles, was existiert, aus in Schwingung befindlichen elektromagnetischen Feldern. Lebewesen genauso wie (vermeintlich) »tote« Materie – Mineralien, Pflanzen, Tiere, Menschen, Planeten und auch die Sonnensysteme im Ganzen. Und alle diese verschiedenen Felder auf unterschiedlichen Ebenen stehen in unaufhörlicher Wechselwirkung. Es wäre daher naiv zu glauben, das elektromagnetische Strahlungsspektrum der Sonne, und dessen Auswirkung auf das Erdmagnetfeld, hätte keinen Einfluss auf das, was auf der Erde lebt.

Doch was ist das Besondere an diesem ausbalancierten Zustand?

An dieser Stelle mag es interessant sein, zu beschreiben, was Leonardo da Vinci herausfand, als er sich mit den Prinzipien der Mechanik beschäftigte. Er sagte, Bewegung sei die Folge der Aufhebung eines Gleichgewichts.

Wenn wir uns den Vorgang anschauen, wie wir gehen, sehen wir, dass wir das Gleichgewicht, in welchem sich unser Körper im Stand befindet, aufheben müssen, um überhaupt einen Schritt vorwärts machen zu können. Das ist nicht nur mechanisch interessant, sondern auch philosophisch.

Die Welt, in der wir leben, befindet sich also zu diesen Zeiten der Tagundnachtgleichen energetisch ebenfalls im Gleichgewicht. Und solche Zustände sind bestens geeignet, etwas Neues zu beginnen. Selbstverständlich können wir uns jeden Tag des Jahres dazu entschließen etwas Neues zu beginnen, aber an diesen Tagen bekommen wir sozusagen energetischen Rückenwind. Es ist viel leichter, eine Phase abzuschließen, das Alte loszulassen, und – ganz bewusst – etwas Neues zu beginnen.

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