Astrologie und Astronomie – Widerspruch oder Ergänzung?

Es gibt heute zwei verschiedene Disziplinen, die sich mit der Beobachtung der Gestirne beschäftigen: Die Astronomie und die Astrologie. Trotz dieser grundsätzlichen Gemeinsamkeit, existieren jedoch erhebliche Differenzen zwischen ihnen. Nur war das nicht immer der Fall. Denn früher gehörten diese beiden Forschungsfelder wie selbstverständlich zusammen. Heute wird zwar meist nur die Astronomie als Wissenschaft betrachtet und die Astrologie als Aberglauben verworfen, aber gerade moderne astrophysikalische Erkenntnisse werfen den Verdacht auf, es könne doch mehr Wissenschaftlichkeit hinter der Astrologie stecken, als vermutet.

Bereits in den frühen Hochkulturen spielte die Himmelsbeobachtung eine sehr große Rolle und nie wurde dabei zwischen Astronomie und Astrologie unterschieden. Erst zum Ende des Mittelalters begannen sich beide Disziplinen zu trennen, um zukünftig eigene Wege zu gehen. Als Wendepunkt wird dabei Johannes Kepler betrachtet, der wegen der Entdeckung der Planetenbewegungen als Begründer der modernen Naturwissenschaften gilt. Er beschäftigte sich zwar mit Beidem, äußerte sich aber eher ungenau dazu. Einerseits mißbilligte er jede Wahrsagerei: „Ich aber halte diese Weise für unmöglich, abergläubisch, wahrsagerisch und für einen Anhang des arabischen Sortilegii“ und andererseits verteidigte er die Astrologie: „(…) dass sie bei billicher Verwerffung des Sternguckerischen Aberglaubens nicht das Kind mit dem Bad ausschütten hiermit ihrer Profession unwissend zuwider handeln.“ Dieser Widerspruch ist nur erklärbar, wenn es verschiedene Arten von Astrologie gibt.

Wenn wir jedoch an die Astrologie denken, dann müssen wir automatisch an die vielen in den Medien veröffentlichten Horoskope denken. In ihnen werden jeweils für einen bestimmten Zeitraum mal mehr und mal weniger konkret beschriebene Vorhersagen für die Zukunft gemacht. Eine typische Form von Wahrsagerei also und damit genau das, was Kepler kritisierte. Sobald man sich jedoch etwas näher mit dem Thema beschäftigt, erkennt man, dass diese Form von „Sterndeutung“ selbst von den meisten Astrologen als unseriös betrachtet wird. Die Argumente variieren zwar, aber einig ist man sich darin, dass für ein gesamtes, monatsbezogenes Sternzeichen unmöglich konkrete Aussagen gemacht werden können. Stattdessen hält man sekundengenaue Spezifikationen des genauen Geburtszeitpunkts für unabdingbar.

Offensichtlich wird aber auch, dass es „die eine“ Astrologie nicht gibt. Sondern eine große Vielfalt an unterschiedlichsten Lehrarten, Variationen und Interpretationen. Allen gemeinsam ist allerdings der Anspruch, anhand der jeweiligen Himmelskörperpositionen unseres Sonnensystems vergangene, gegenwärtige und zukünftige Ereignisse oder Verhältnisse in Bezug auf den Menschen ermitteln zu können. Man geht also von einer Korrelation zwischen beiden Variablen aus. Wie diese im Detail zu deuten und welche Ursachen dafür verantwortlich sind, wird auch unter Astrologen teilweise sehr kontrovers diskutiert. Es gibt aber vier typische Gruppen: traditionalistisch-magisch, religiös-spirituell, naturwissenschaftlich-physikalisch und symbolisch-psychologisch.

Die traditionalistisch-magischen Auslegungen orientieren sich an dem Axiom des legendären Hermes Trismegistos: „unten wie oben“. Danach sollen die makrokosmischen Verhältnisse – das Universum und alle in ihm enthaltenen Himmelserscheinungen – mit den mikrokosmischen Verhältnissen – im Menschen – identisch sein. Die Gesetzmäßigkeiten der einen Ebene zu verstehen, bedeutet daher die Gesetzmäßigkeiten auch auf allen anderen Ebenen zu verstehen. Während einige dieser Auslegungen nur die Analogie selbst betrachten, behaupten andere das Vorhandensein eines unsichtbaren „magischen Agens“, das „von den Sternen“ kommt und unser Leben beeinflusst.

In den religiös-spirituellen Auslegungen wird das Universum meist mit Gott selbst gleichgesetzt. Manche betrachten das Universum auch als eine Art „Großen Mensch“. Andere meinen, das Universum sei nur der Traum Gottes oder werde von ihm „erdacht“. Mögliche Einflüsse der Himmelskörper auf den Menschen werden mit der Kohärenz lebender Systeme beantwortet, bei der die einzelnen Teile des Gesamtsystems in einer bestimmten, geordneten Weise miteinander wechselwirken. So wie die Zelle eines Körpers mit allen anderen Teilen des Körpers in Verbindung steht, wird auch eine Verbindung des Menschen mit allen anderen Teilen des Systems „Universum“ angenommen.

Die naturwissenschaftlich-physikalische Gruppe beschäftigt sich hingegen sehr intensiv mit astrologischen Einflüssen und deren möglichen Ursachen. Dabei wird die Existenz eines naturwissenschaftlich nachvollziehbaren Ursachen-Wirkungs-Prinzips angenommen. Zu den typischen Forschungsfeldern gehören die Kosmobiologie und die Biorhythmen des Menschen.

Die symbolisch-psychologischen Auslegungen benötigen jedoch nicht unbedingt eines direkten Einflusses der Himmelskörper auf den Menschen. Gemäß den Arbeiten C. G. Jungs wird die Astrologie als symbolische Zusammenstellung seelischer Archetypen verstanden. Ihre Elemente spiegeln psychische Vorgänge wider. Daher ist das Unbewusste des Menschen hier von weit größerer Bedeutung als die tatsächlichen Himmelskörper.

Alle Auslegungsgruppen sind sich jedoch sicher, dass die Charaktereigenschaften und das typische Verhalten eines Menschen mittels astrologischer Methoden erkannt und gedeutet werden kann. Insgesamt steht damit der Mensch im Mittelpunkt ihres Interesses. Ganz im Gegensatz zur Astronomie. Sie betrachtet nicht den Menschen, sondern die Himmelserscheinungen und strebt nach einem Verständnis des Universums als Ganzes, seiner Entstehung und seinem Aufbau. Anfänglich nur mit optischen Hilfsmitteln, aber heute werden alle bekannten Bereiche des elektromagnetischen Spektrums genutzt.

Während in beiden Disziplinen also eine bestimmte Form von Himmelsbeobachtung stattfindet, sind die Zielsetzungen völlig andere. Auch wenn einige Fachausdrücke in beiden gebräuchlich sind, können sich ihre jeweiligen Bedeutungen erheblich unterscheiden. Wenn daher ein Astrologe von den Eigenschaften eines Planeten spricht, denkt er dabei an etwas völlig anderes, als es ein Astronom würde. Dies scheint die Ursache für viele Mißverständnisse zu sein. Da es heute jedoch diese tiefe Kluft zwischen beiden Diszplinen gibt, ergeben sich in der Praxis kaum Berührungspunkte. Zumindest galt das bis die Astrophysik auf den Plan trat. Sie beschäftigt sich mit den physikalischen Grundlagen der Erforschung von Himmelserscheinungen jeglicher Art und entdeckte dabei immer mehr Wechselwirkungen zwischen den Himmelskörpern und ihrer jeweiligen Umgebung. Damit bestätigt sie also tatsächlich die Existenz gewisser Einflüsse der „Gestirne“. Üblicherweise wird in diesem Zusammenhang allerdings darauf hingewiesen, dass es sich bei dem Einen um „Wissenschaft“ handelt und bei dem anderen um „Aberglaube“.

Die „Unwissenschaftlichkeit“ der Astrologie, so heisst es, zeige sich im besonderen Maße in ihrer Unkenntnis der tatsächlichen Beschaffenheit kosmischer Gegebenheiten. Allein die Vorstellung, die am Himmel sichtbaren Fixsterne, die extrem weit entfernte Sonnen sind, könnten überhaupt irgendwelche Auswirkungen auf den Menschen haben, erscheint naturwissenschaftlich unhaltbar. Dabei wird allerdings vergessen, dass die Astrologen überhaupt nicht die Fixsterne für ihre Einflüsse verantwortlich machen, sondern sie nur als Orientierungshilfe für die tatsächliche Position ihrer „Planeten“ verwenden. Nur passt das, was sie als „Planet“ bezeichnet (z.B. Sonne und Mond) nicht ganz zum heutigen Stand der Wissenschaft bezüglich des Sonnensystems und ist daher mindestens missverständlich. Zwar ist für die Astrologie nicht die jeweilige Klassifikation einiger Himmelskörper, sondern nur deren Position zu einem bestimmten Zeitpunkt maßgeblich, aber dennoch könnte eine eindeutigere Terminologie für klarere Verhältnisse sorgen.

Der Astrologie wird auch vorgeworfen, einem veralteten geozentrischen Weltbild anzuhängen. Anlass dieser Kritik ist das Radix-Diagramm, in dem die Positionen der „Planeten“ eingetragen werden. Nur ist bei ihnen der einzelne Mensch das Zentrum und nicht wie oft angenommen die Erde. Das Diagramm stellt also ein vereinfachtes zweidimensionales Modell tatsächlicher räumlicher Positionen innerhalb unseres Sonnensystems dar. Was im Übrigen eine gängige Vorgehensweise ist, um komplizierte Berechnungen zu vereinfachen – auch in der Astronomie.

Ein weiterer Kritikpunkt lautet, dass der von den Astrologen verwendete Tierkreis in zwölf gleich große Sternzeichen aufgeteilt ist, und damit längst nicht mehr zu den tatsächlichen Sternbildern auf der Ekliptik passt. Denn erstens sind diese Sternbilder sehr unterschiedlich groß und zweitens gibt es sogar ein dreizehntes Sternbild, den Schlangenträger, das heute ebenfalls auf der Ekliptikbahn liegt. Allerdings liegt dieser Kritik eine Verwechslung zwischen Sternzeichen – Symbole des Tierkreises – und Sternbild – Fixsterngruppen am Himmel – zugrunde. Wie bereits erwähnt, betrachten die Astrologen nicht die Fixsterne, sondern ihre „Planeten“. Die Sternbilder dienen lediglich der Orientierung. Dazu kommt, dass die heutigen Sternbilder und ihre jeweiligen Grenzlinien erst im Jahre 1928 auf der IAU Konferenz in Leiden von Astronomen festgelegt wurden, während der astrologische Tierkreis seine traditionelle Einteilung beibehielt.

Trotzdem bleibt ein gewichtiges Gegenargument. Denn selbst wenn es Einflüsse der Himmelskörper auf den Menschen geben sollte, kann die Astrologie nicht erklären, woher sie diese kennt. Zwar wird oft erwidert, dass es sich um „empirisch gesammelte Erfahrungen“ handelt, aber dies erscheint sehr unglaubwürdig. Denn allein auf Grund der sehr hohen Zahl an verschiedenen Kombinationsmöglichkeiten, müsste die empirische Beobachtung mindestens über mehrere Zehntausend Jahre stattgefunden haben, um zuverlässige Ergebnisse liefern zu können. Aber das stünde aber im krassen Widerspruch zum modernen wissenschaftlichen Geschichtsbild. Die Astrologie vermag deswegen nicht zu sagen, wie sie von den Auswirkungen der Einflüsse der Himmelskörper erfahren hat, besteht jedoch auf deren Existenz.

Dass einige Himmelskörper wirklich das Leben auf der Erde beeinflussen ist allerdings eine offensichtliche Tatsache. So beeinflusst das Licht unserer Sonne alle irdischen Lebewesen im erheblichen Maße. Die Tag-Nacht- und Sommer-Winter-Rhythmen haben erwiesenermaßen sowohl biologische als auch psychologische Auswirkungen. Und das gesundheitlich wichtige Vitamin D wird im Körper nur durch die Einwirkung des Sonnenlichts erzeugt. Das Sonnenlicht ist daher der offensichtlichste Einfluss eines Himmelskörpers, aber bisher hat sich offenbar noch kein Astrologe darauf bezogen.

Neben dem sichtbaren Licht sendet die Sonne auch etwas Unsichtbares aus: Neutrinos. Diese extrem winzigen Teilchen sind zwar schwer nachzuweisen, aber eindeutig vorhanden. In jeder Sekunde durchdringen ca. 70 Milliarden Neutrinos jeden Quadratzentimeters unseres Körpers. Aber wegen ihrer geringen Größe sind wir kein Hindernis für sie. Ein Neutrino „reist“ zwischen unseren Atomen hindurch, wie wir mit einem Raumschiff zwischen den weit voneinander entfernten Sternen reisen würden. Für Neutrinos besteht selbst feste Materie hauptsächlich aus „leerem Raum“. Allerdings gibt es kaum Wechselwirkungen zwischen ihnen und ihrer Umgebung. Und der Mensch wird nicht nur von den Neutrinos unserer eigenen Sonne „durchflutet“, sondern auch von denen aller anderen Sonnen im Universum. Fraglich ist nur, ob diese extrem geringe Wechselwirkung ausreicht, um damit die astrologische Beeinflussung begründen zu können.

Die deutlichste Wechselwirkung liegt im Bereich der elektromagnetischen Felder. Denn nicht nur Sonnen besitzen solche Felder, sondern auch die Erde und jedes einzelne Lebewesen auf ihr. Das Feld der Sonne schließt das gesamte Sonnensystem ein und sorgt auch dafür, dass die kosmische „zurückgedrängt“ wird. Die Magnetosphäre der Erde wird durch den Sonnenwind geformt. In ihr bildet sich so ein komplexes System elektrischer Ströme und beeinflusst beispielsweise den Funkverkehr und das Wetter. Auch der Mensch besitzt ein elektromagnetisches Feld und einige Tiere sogar einen Magnetsinn. Mögliche Korrelationen zwischen körperlichen und psychischen Zuständen und dem persönlichen elektromagnetischen Feld wurden zwar noch nicht intensiver erforscht, aber einige ähnliche Forschungsgebiete deuten auf gewisse Zusammenhänge hin. So fand man bei der Untersuchung des Phänomens der „Wetterfühligkeit“ heraus, dass einige Menschen nachweisbar empfindlich auf Sferics (elektromagnetische Wellen im Vorfeld von Wetterveränderungen) reagieren. Auch in der Medizin werden Magnetfelder erfolgreich zur Bekämpfung von Depressionen eingesetzt. Damit steht fest, dass elektromagnetische Felder grundsätzlich mit dem Menschen wechselwirken. Wie und in welchem Ausmaß müsste jedoch noch näher untersucht werden, um zuverlässige Aussagen machen zu können. Trotzdem könnten sie tatsächlich zu manchen astrologischen Einflüssen passen. Schließlich handelt es sich hierbei um ein „unsichtbares“ und hochkomplex ineinander verschachteltes System sich gegenseitig beeinflussender Felder, die zu keinem Zeitpunkt statisch sind, sondern sich in ständiger Veränderung befinden.

Erfahrungsgemäß beeinflussen dabei die Felder der „größeren Systemteilnehmer“ die der jeweils kleineren im höheren Maße als umgekehrt. Die Sonne beeinflusst also die Erde und die wiederum den Menschen. Auch sind bei den größeren Systemteilnehmern sich wiederholende Regelmäßigkeiten erkennbar. Das würde zur Astrologie passen. Doch die Vorstellung, dass die Verhältnisse innerhalb dieser elektromagnetischen Felder die Zukunft vorherbestimmen könnten, wäre – mindestens – „gewöhnungsbedürftig“. Sollte es aber um grundsätzliche „Tendenzen“ gehen, die beim Menschen unter bestimmten Bedingungen typisch sind, sieht die Sache schon ganz anders aus. Wenn bestimmte Magnetfeldmuster die psychischen Zustände des Menschen beeinflussen, dann bekommt die Aussage Keplers, nach der „die Sterne gewogen machen, aber zu nichts zwingen“ einen völlig neuen Sinn. Nur wäre diese Art Astrologie eine völlig andere als die einer Vorhersage über das konkrete Eintreffen bestimmter Ereignisse zu bestimmten Zeiten. Dann wäre Astrologie keine Wahrsagerei, sondern die Analyse bestimmter äußerer Umstände, die – tendenziell – zu bestimmten Auswirkungen im Menschen führen, auf die dieser dann – willentlich – so oder so reagieren kann. Diese Reaktionen könnten sogar umso typischer ausfallen, je weniger bewusst sich der Einzelne damit auseinandersetzt, was allerdings auch leicht wieder in Richtung Zukunftsprognose führen könnte.

Diese Astrologie würde auch Keplers widersprüchliche Aussagen verständlich machen. Nur müsste dieser dann auch über die tatsächlichen „Einflüsse der Himmelskörper“ Bescheid gewusst haben, was für diese Zeit ungewöhnlich erscheint. Ein anderes Zitat deutet jedoch genau in diese Richtung: „Wir reden nicht von der Tätigkeit der Sterne, sondern von der Empfänglichkeit (…) in den Naturen der irdischen Körper.“

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